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Leo XIV. – Der Cyber-Papst?

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Diesen Blog-Artikel habe ich zuerst auf dem publishing.blog veröffentlicht.

Offizielles Porträt von Papst Leo XIV mit aufgesetzem Pixel-Sonnenbrillen-Emoji

Letztens habe ich in einem Gespräch einen Satz gesagt, der mich selbst erstaunt hat: «Vor 15 Jahren sagten wir noch ‘Ach, der Konservative da in Rom…’ und heute empfinden wir, dass mit Papst Franziskus der letzte grosse Hoffnungsträger gestorben ist.» Interessanterweise habe ich statt schrägen Blicken viel Zustimmung bekommen, obwohl es in einer bunt gemischten Runde war.

Und jetzt kommt da Leo XIV. nach, der von Künstlicher Intelligenz spricht. Der in den wenigen Tagen seit seiner Wahl gefühlt schon öfters mit seinem Handy fotografiert wurde als Franziskus in seiner ganzen Amtszeit. Und plötzlich ertappe ich mich, wie ich die Ansprachen von Leo XIV. querlese, um vielleicht Antworten auf meine KI-Fragen zu finden. Was passiert da gerade?

Der neue Papst und die KI-Revolution

Leo XIV. nennt die Künstliche Intelligenz explizit als Grund für seine Namenswahl: «Es gibt verschiedene Gründe, aber in erster Linie, weil Papst Leo XIII. mit der berühmten Enzyklika «Rerum novarum» die soziale Frage im Zusammenhang mit der ersten grossen industriellen Revolution angesprochen hat. Und heute bietet die Kirche allen den Schatz ihrer Soziallehre an, um auf eine weitere industrielle Revolution und auf die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz zu antworten, die neue Herausforderungen im Hinblick auf die Verteidigung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Arbeit mit sich bringen.» 1

Für mich persönlich markiert dieser Moment erstmals, dass die Kirche sich in meiner digitalisierten Gegenwart, in der ich lebe, bemerkbar macht. Auch wenn – und das finde ich wichtig zu betonen – Papst Franziskus der Wegbereiter und sehr wohl in der Gegenwart verankert war. Trotzdem: Er war vieles, aber kein «Technik-Wizard».

Leo XIV.: Erster Silver Surfer unter den Nachfolgern Petris

Papst Leo XIV. hingegen ist ein «Silver Surfer». Obwohl er nicht mit digitalen Medien aufgewachsen ist, nutzt er diese souverän. Schon am Tag seiner Wahl kursierte ein Video, in dem er seinen Bruder per FaceTime anruft und ohne «Hallo» fragt: «Warum hast du dein Handy nicht abgenommen?» Ist das vielleicht ein Anflug von «Instant-Mentalität» – einem Symptom, das die modernen Kommunikationsmittel mit sich brachten?

Leo XIV. oder doch eher Leo 14.0?

Wird Leo XIV. der erste Papst, der seine Ansprachen von ChatGPT schreiben lässt? Kommt bald JesuIT – der ultimative CustomGPT des Vatikans? Ich hoffe nicht. Ich hoffe, wenigstens da bleiben wir noch an den Wurzeln des Menschseins. Analog und sicher, dass da keine KI halluziniert hat.

Aber vielleicht nimmt er schon KI irgendwie zur Hilfe? Das hingegen fände ich absolut ok. Überhaupt fände ich es spannend, wenn Leo XIV. Einblick geben würde, ob und wie er KI verwendet. Gerade, weil das irgendwie so zwei unterschiedliche Welten sind.

Die Gratwanderung zwischen Faszination und Sorge

Wir leben in einer Ära voller Desinformation, Unsicherheit und digitaler Dauerberieselung, während sich KI im Eiltempo weiterentwickelt. Technisch finde ich das alles wahnsinnig spannend. Ethisch macht es mir ehrlich gesagt Sorgen. Können wir in Zukunft überhaupt noch etwas glauben?

Je mehr Informationen auf uns einprasseln, desto schwerer fällt es, zu unterscheiden, was davon wahr, relevant oder überhaupt noch menschlich ist. So wundert es nicht, dass wir nach etwas suchen, an dem wir uns festhalten können. Vielleicht ist es genau dieser Wunsch, der selbst wenig religiöse Menschen vermehrt Orte mit übergeordneter Bedeutung suchen lässt – wie z.B. die Kirche. Nicht, weil sie alle Antworten liefern, sondern weil sie ein Fixpunkt im Chaos sein können. Weniger Geschwindigkeit, mehr Tiefe. Darum könnte es spannend werden, wenn Papst Leo XIV. wirklich beginnt, über KI zu sprechen.

Bisher stellte Leo XIV. Sätze in den Raum wie dass Kommunikation nicht bloss Information, sondern Schaffung einer Kultur ist oder dass das riesige Potenzial der KI Verantwortung und Urteilsvermögen erfordert, um «dieses Werkzeug zum Wohle aller einzusetzen»2. Klingt erstmal nicht revolutionär. Doch: Er legt den Finger in die Wunde und weckt die Erwartung, dass bald ein Pflaster folgt – vielleicht in Form seiner ersten Enzyklika? #instantmentalitaet

Clash der Kontroversen

Abschliessend – all die Gedanken, die ich hier zu Papier bringe, sind Zeugen, dass wirklich gerade sehr viel im Umbruch ist in unserer Welt. Es fühlt sich an, als befänden wir uns in einem Schüttelbecher. Kontroverse Themen knallen aufeinander und ordnen sich neu. 

Ganz abgesehen davon, welche Akteure bei diesem Thema jetzt mitmischen sollen/dürfen/müssen oder nicht – vielleicht besteht wirklich Hoffnung, dass wir uns aus dem ungesunden Wachstumswahn lösen und uns wieder darauf konzentrieren, was uns als Menschheit besser macht. Oder entwickeln sich einfach nur neue Vorlagen, um die Gesellschaft weiter zu spalten? 

Fragen über Fragen…

Wie erlebst du den Umgang mit KI, Ethik und Spiritualität? Schreib mir – ich bin gespannt auf deine Perspektive!